Auch Maren Busch, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Diez, beteiligte sich an der Aktion und verbrachte einen Tag auf dem Burghof in Holzheim. Dort begleiteten Werner Dittmar, Martin Dittmar und seine Partnerin die Bürgermeisterin durch den Alltag ihres landwirtschaftlichen Familienbetriebs.
Der Aktionstag ist nicht als symbolische Geste zu verstehen, sondern ermöglicht es politischen Entscheidungsträgern, zentrale Fragen für den ländlichen Raum konkret zu erleben. Denn die Zukunft vieler Regionen entscheidet sich vor Ort: Landwirtschaft und Kommunen sind gemeinsam prägend für die lokale Wertschöpfung, für Arbeitsplätze und Lebensqualität. Gleichzeitig stehen ländliche Räume unter Druck – durch Nutzungskonflikte, steigende Anforderungen und strukturelle Veränderungen.
Auf dem Burghof blieb es daher nicht bei einer Betriebsführung. Nach dem gemeinsamen Start in den Tag mit Werner und Bärbel Dittmar hieß es für die Bürgermeisterin: Gummistiefel anziehen und anpacken! Maren Busch fuhr Traktor, unterstützte bei den Arbeiten im Schweinestall, begleitete die Versorgung der Tiere und erhielt Einblicke in die Trächtigkeitsuntersuchung von Sauen mittels Ultraschall.
Der Burghof
ist ein Ferkelerzeugungsbetrieb mit rund 230 Sauen und etwa 1.000 Ferkeln.
Besonders beeindruckt zeigte sich Maren Busch von den hohen Tierwohlstandards
des Betriebs. Die Tiere werden auf Stroh gehalten, die Schwänze der Ferkel
werden nicht kupiert und zahlreiche Maßnahmen für eine tiergerechte Haltung
wurden bereits umgesetzt, bevor entsprechende Standards in der Branche breite
Anwendung fanden.
„Als Bürgermeisterin ist es mir ein großes Anliegen, die Landwirtschaft in unserer Region in ihrer ganzen Bedeutung noch besser zu verstehen und den direkten Austausch mit den Betrieben auf Augenhöhe zu pflegen. Der Tag auf dem Burghof hat mir eindrucksvoll gezeigt, mit wie viel Fachwissen, Verantwortung und Engagement unsere Landwirtinnen und Landwirte arbeiten. Gleichzeitig wurde deutlich, was besonders belastet: steigende Kosten, hoher bürokratischer Aufwand, fehlende Planungssicherheit und eine hohe Marktmacht und Kostendruck der Lebensmitteleinzelketten, die sich bis auf die kleinste Ebene auswirkt,“ so Maren Busch. Sie betont: „Landwirtschaft ist weit mehr als die Produktion von Lebensmitteln. Sie ist Teil unserer kritischen Infrastruktur, sichert regionale Wertschöpfung und trägt wesentlich zur Lebensqualität im ländlichen Raum bei.“
Die Gastgeberfamilie äußerte sich zum Aktionstag: „Wir haben uns sehr über den Besuch von Bürgermeisterin Maren Busch auf unserem Hof gefreut und ihr Einblicke in die tägliche Arbeit eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs gegeben. Außerdem konnten wir mit ihr über all die Herausforderungen sprechen, mit denen wir heute konfrontiert sind. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Kommunen für die Entwicklung unserer Region ist,“ so das gemeinsame Fazit von Werner Dittmar, Martin Dittmar und seiner Partnerin vom Burghof Holzheim.
Organisiert wurde die Aktion „Rent a Bürgermeister“ vom Netzwerk Junge Bürgermeister*innen gemeinsam mit dem Forum Moderne Landwirtschaft. Bundesweit nahmen junge Bürgermeister*innen teil und begleiteten landwirtschaftliche Betriebe in ihrem Alltag. Ziel ist es, den ländlichen Raum stärker in den Fokus politischer Entscheidungen zu rücken – mit seinen Stärken, aber auch mit den konkreten Herausforderungen vor Ort.
Über das Netzwerk
Im September 2019 wurde in Bad Soden-Salmünster das Netzwerk Junge Bürgermeister*innen zunächst als loser Verbund aus der Taufe gehoben. Unter „Junge Bürgermeister*innen“ verstehen wir alle, die bei ihrer letzten Wahl jünger als 40 Jahre alt waren. Um die Arbeit des stark wachsenden Netzwerks weiter zu professionalisieren, erfolgte im Juni 2022 in Berlin die Gründung eines Vereins. Inzwischen umfasst der Verteiler über 1.000 junge Bürgermeister*innen aus ganz Deutschland. Diese verbindet oft eine andere, junge Sicht auf die kommunalen Dinge.





