Mobilitätskonferenz in Langenscheid

2. Veranstaltung des regionalen Entwicklungskonzeptes (REK)
im Rahmen der Umsetzungsphase

 

Der Mobilitätbedarf in der Verbandsgemeinde und die Möglichkeiten der Umsetzung waren das große Thema beim Workshop der Verbandsgemeinde Diez gemeinsam mit dem Institut für Regionalmanagement (Ifr) am 15.05.2014 in Langenscheid.


  

Mobilität als komplexes und reizvolles Thema für den ländlichen Raum

 

„Schneller, höher, weiter – Mobilität gilt als Merkmal unseres Fortschritts“, so hob der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Diez, Michael Schnatz, die Wichtigkeit des Themas in seinen einführenden Worten hervor. Er bezeichnete die Mobilität als komplexes und ebenso reizvolles Thema, das vor allem im ländlichen Raum ein gewichtiges ist und zudem Auswirkungen auf kommunale Planungen und globale Entwicklungen sowie auf Klima und Umwelt habe.

Kurz: „Mobilität ist eine wesentliche Grundlage für die Teilhabe am öffentlichen Leben. Mobil sein zu können, ist gut. Doch mobil sein zu müssen, schränkt die Lebensqualität nicht unerheblich ein. Vor genau diesem Dilemma stehen gerade die Menschen in ländlichen, peripheren Räumen. Denn vor allem hier hat der demografische Wandel bereits sichtbare Auswirkungen.“

Michael Schnatz stellte fest, dass die Einwohnerzahlen sinken, die Zahl der Kinder und Schüler ebenso zurückgeht wie die der Erwerbstätigen. Dagegen steigt die Anzahl der älteren Menschen. „Auch und besonders vor diesem Hintergrund wird es im ländlichen Raum zunehmend schwerer, Einrichtungen und Angebote zur Sicherung der Daseins-Grundfunktionen aufrecht zu erhalten“, so Schnatz weiter.

 

Der demographische Wandel und seine Auswirkungen stellen damit große Anforderungen an die Gestaltungskraft von Kommunen und zwingen die Menschen immer mobiler zu werden. Ein kluges und sinnvolles Mobilitätsangebot ist also von hoher Bedeutung, um gerade im ländlichen Raum attraktive Lebensbedingungen zu gewährleisten.

Da sich diese Entwicklung nicht aufhalten lasse, müsse „heute verantwortlich für das Morgen gearbeitet werden“. Genau das war Thema des Workshops, der zum Ziel hatte, die Bedarfe in der Verbandsgemeinde deutlich herauszuarbeiten und als Erkenntnis, nicht als Ergebnis, festzuhalten, erklärte Sven Lachmann vom Institut für Regionalmanagement, der die Veranstaltung moderierte und jede Menge Informationen und Auswertungen im Gepäck hatte.

 


 

Seit über zwei Jahren begleitet das Institut für Regionalmanagement aus Solms die Verbandsgemeinden Diez und Montabaur beim interkommunalen Regionalentwicklungskonzept, welches Michael Schnatz als ebenso ehrgeiziges wie ambitioniertes Projekt bezeichnet. Nach einem kurzen Rückblick auf die im vergangenen März stattgefundene Mobilitätskonferenz in Görgeshausen stiegen die Teilnehmer, unter ihnen Ortsbürgermeister, Mitarbeiter der Verwaltung ebenso wie Mitglieder des Verbandsgemeinderates als „Auftraggeber“, unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen wie der hohen Bedeutung des Individualverkehrs in die Materie ein.

Dass die Ausgangsthese nach einem erhöhten Bedarf an mehr Mobilität und ergänzenden Angeboten in einigen Teilen der Verbandsgemeinde bestehen, wurde deutlich, unter anderem durch die Ergebnisse einer Befragung, die Sven Lachmann zuvor telefonisch mit den Ortsbürgermeistern durchführte und die er in Langenscheid wiedergab.

 

 

Größerer Mobilitätsbedarf vor allem für Holzappel und Umgebung

 

Während es für Diez und die Orte um Diez gut aussieht, ist der Bedarf für Holzappel und Umgebung hingegen deutlich erkennbar. Dass die Hauptzielgruppe neben Jugendlichen vor allem aber Senioren und dort meist Frauen über 80 Jahren von eingeschränkter Mobilität betroffen sind, ist eine der Aussagen, die Sven Lachmann wiedergab und zur Diskussion stellt. Auch die Vermutung, dass die Gruppe, die in ihrer Mobilität eingeschränkt ist, in Zukunft steigt, zitierte er den Inhalt einer Befragung. Man dürfe auch die Erwerbstätigen als Zielgruppe nicht vergessen, lautete ein Einwand aus dem Publikum. Schließlich führen immer längere Öffnungszeiten der Läden auch zu einem immer größer werdenden Zeitfenster für öffentliche Verkehrsmittel, damit die Angestellten auch wieder zurück in ihre Orte kämen.

„Was nutzt das tollste Kultur- und Freizeitprogramm, wenn die Jugendlichen nicht hinkommen“, lautete ein weiterer Einwand, der diskutiert wird. Doch nicht nur die Frage nach Freizeitgestaltung, sondern zunächst die der Erreichbarkeit der Grundversorgung wie beispielsweise ärztliche Einrichtungen ist bedeutend. Während es da in Diez und vielen anderen Orten gut aussieht, stellt auch hier Holzappel eine Ausnahmesituation dar, heißt es in den Ausführungen Lachmanns.

 


"Kein Königsweg für Mobilität im ländlichen Raum"

 

Zu Beginn der Veranstaltung betonte auch Michael Schnatz, dass in ländlichen Gebieten unter anderem Ärzte häufig nur motorisiert zu erreichen sind. Das ist gerade für ältere Frauen, die zwar einen Führerschein hätten, aber selten selbst fahren, ein schwieriges Unterfangen, lautet eine weitere Aussage der Präsentation des Instituts für Regionalmanagement.

Möglichkeiten wie den Bürger- oder Gemeindebus oder die private Mitnahme wurden im Plenum diskutiert und als Diskussionsstand festgehalten, um daran weiterzuarbeiten. Im nächsten Schritt ist die Ausarbeitung als Entscheidungsbasis für den neuen Verbandsgemeinderat an der Reihe. Dazu sollen die Aspekte aus dem Workshop und offene Fragen auch gemeinsam mit den Ortsgemeinden weiter bearbeitet werden. Das Ergebnis wird dann dem Verbandsgemeinderat als Mobilitätsprofil vorlegt.

„Es gibt keinen Königsweg für Mobilität im ländlichen Raum“, sagte Schnatz. Daher müsse jedes Mobilitätskonzept ein „Maßanzug“ sein, der auf die konkreten Besonderheiten des Ortes zugeschnitten sei. Das bestätigte Sven Lachmann. Es gäbe keine pauschale Lösung für die gesamte Verbandsgemeinde, sondern auf Teilbereiche zugeschnittene Lösungen. „Wir wollen auf den Erkenntnissen der Mobilitätskonferenz in Görgeshausen aufbauen und gemeinsam ein konkretes Mobilitätsbild der Verbandsgemeinde Diez und ihrer Teilräume gewinnen und erörtern. Das ist die Voraussetzung, um im Anschluss Lösungsansätze diskutieren und Empfehlungen über Wege, die eingeschlagen werden sollen, aussprechen zu können“, erläuterte der Beigeordnete. Auf dieser Grundlage sollen die entsprechenden Entscheidungen nach den Kommunalwahlen von den neu konstituierten Gremien getroffen werden.

 


 

 

Zum Abschluss betonte Schnatz, dass gerade bei der Analyse der Bedarfssituation zwei wichtige Dimensionen zu berücksichtigen seien. Zum einen sei dies die individuelle Bestimmtheit. „Wir, also Politik und Experten, können immer versuchen, mit bestem Einsatz die Bedarfe der Bürger zu ermitteln und daraus Entscheidungen für Strukturen und Angebote abzuleiten. Letztlich entscheiden und gestalten aber die Menschen ihre Wege, die sie gehen, oder eben nicht gehen, selbst“, führte Schnatz aus. Und zum anderen bewege die Veränderlichkeit: Die Menschen würden immer älter und die Menschen würden in vielen Gemeinden auch weniger. Das stehe in unmittelbarer Wechselwirkung mit den Zielen und den Verhaltensweisen der Menschen. Und das wiederum bedeute, dass Lösungen für die ergänzende Mobilität in der Verbandsgemeinde flexibel und damit im Sinne des Themas „mobil“ sein müssten.

 


Allgemeine Information


Mobilitätskonferenz - fachliche Einführung


Regionalentwicklungskonzept