Mobilitätskonferenz in Görgeshausen

Auftakt für die Umsetzungsphase des regionalen Entwicklungskonzeptes (REK)


Das REK-Team Diez-Montabaur (v.l.): Andrea Soboth und Sven Lachmann vom IfR, Michael Schnatz  und Axel Wilhelm von der VG Diez sowie Marion Gräf und Edmund Schaaf von der VG Montabaur. Zum REK-Team gehört außerdem die Generationenbeauftragte Judith Gläser (2. Reihe Mitte)


Die Konferenz setzt den Auftakt für die Umsetzungsphase des regionalen Entwicklungskonzepts (REK), dass beide Verbandsgemeinden gemeinsam erarbeitet und Ende 2012 verabschiedet hatten.


Ziel ist es, Fahrgelegenheiten vor allem für diejenigen zu schaffen, die auf dem Dorf wohnen, aber nicht mehr oder noch nicht selbst Auto fahren oder über kein Fahrzeug verfügen. Vorgestellt und diskutiert wurden die Themen:

- Anruf-Sammel-System
- Car-Sharing
- Bürgerbus und organisierte private Mitnahme
 
Als Hausherr begrüßte Ortsbürgermeister Theo Burkard die rund 70 Gäste in der Löwensteinhalle in Görgeshausen und nutzte die Gelegenheit, seine Ortsgemeinde vorzustellen. Gastgeber des Abends, Bürgermeister Edmund Schaaf, hieß die Teilnehmer willkommen und ließ kurz die Geschichte des REK Revue passieren.

„Der demografische Wandel macht sich auch bei uns bemerkbar. Wir müssen uns auf die sich ändernde Bevölkerungsstruktur einstellen und schon heute die Weichen für morgen stellen. Deshalb sind wir hier“, so Schaaf.


Michael Schnatz, der Erste Beigeordnete der VG Diez beschrieb Mobil-Sein als Grundbedürfnis und Wesenszug des Menschen: „Mobilität ist ein breit angelegtes Querschnittsthema, das jede und jeden in nahezu allen Lebensbereichen und ein Leben lang betrifft.“ Deshalb sei die Frage der Mobilität der Menschen ein zentrales Thema, wenn es um die „Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der ländlichen Regionen als Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum“ gehe. Allerdings gebe es nicht den ländlichen Raum schlechthin, sondern eher sehr unterschiedliche Strukturen und Bedarfe. Ein regionales Mobilitätskonzept müsse deshalb ein „Maßanzug sein, der auf die konkreten Umstände und Besonderheiten zugeschnitten ist.“ Ziel des Abends sei es, verschiedene Mobilitätsideen kennenzulernen und daraus im nächsten Schritt das Schnittmuster für den Maßanzug zu entwerfen. 


Mit einem Überblick über das aktuelle Mobilitätsangebot in der Region und die im bisherigen REK-Prozess ermittelten Mobilitätswünsche der Bürger vervollständigte Sven Lachmann vom IfR die Begrüßungsrunde. Das IfR (Institut für Regionalmanagement) begleitet den REK-Prozess von Anfang an und hat auch die Mobilitätskonferenz inhaltlich vorbereitet.


Der zweite Teil des Abends stand ganz im Zeichen konkreter Beispiele und Modelle für ergänzende Mobilität auf dem Land. Aus Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz waren die Referenten angereist, um den Teilnehmern ihr jeweiliges Projekt vorzustellen und mit ihnen in Arbeitsgruppen die Vor- und Nachteile zu diskutieren.
 


 
Anruf-Sammel-Systeme

Zusammen mit dem örtlichen Verkehrsbetrieb haben die Verbandsgemeinden Nastätten und Loreley das Projekt ALFA ins Leben gerufen. „ALFA steht für Anruf-Linien-Fahrt“, so das ALFA-Team Armin Schaust und Angela Michael. Bei diesem Modell werden Lücken im Busfahrplan durch Fahrten auf Bestellung geschlossen. Dabei verkehren Taxen oder Kleinbusse nach Vorbestellung entlang der üblichen Buslinien. Die Fahrgäste können die Fahrten telefonisch buchen und müssen an den Bushaltestelle ein- und aussteigen. Organisation und  Abrechnung erfolgen über den Verkehrsbetrieb. Das System hat viele Parallelen zum bestehenden Anruf-Sammel-Taxi in der VG Montabaur. Eindeutiger Nachteil des Modells ist es, dass die Mitfahrer erstmal zur Haltestelle kommen müssen, was gerade im Hinblick auf betagte Senioren teilweise schon ein Problem darstellt.


Das ALFA-Team: Angela Michel (VG Nastätten) und Armin Schaust (VG Lorely) stellten ihr Anruf-Sammel-System vor


Pdf-Download:

Weitere Information zu Anruf-Sammel-Systeme

Bei Anruf mobil


Internetseite:

AnrufLinienFAhrt




Car-Sharing


Aus dem unterfränkischen Gnötzheim waren Pfarrer Uwe Stradtner und seine Frau Christine gekommen, um ihr „Dorfauto“ zu präsentieren. In dem 300-Einwohner-Dorf betreibt die Kirchengemeinde ein Car-Sharing-Projekt: Gegen eine Zeit- und Kilometerpauschale kann jeder das Auto nutzen, wenn er sich vorher bei einem Online-Kalender registriert und eingetragen hat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten ist das Auto inzwischen rund 50mal pro Monat unterwegs und fährt dabei bis 1.500 Kilometer. „Das Dorfauto ersetzt bei einigen Familien das zweite Auto“, so Stradtner. Die Idee des ländlichen Car-Sharings kam bei den Teilnehmern gut an. Allerdings müsse dazu erst ein Umdenken einsetzen, ehe sich ein solches Konzept umsetzen ließe. Außerdem könnten davon nur die profitieren, die einen Führerschein haben – so die Überlegungen in dieser Arbeitsgruppe.



Pfiffige Idee: Pfarrer Uwe Stradtner erläuterte, wie Car-Sharing im bayerischen Gnötzheim funktioniert.


Informationen zum Dorfauto Gnötzheim 


Presseartikel zum Dorfauto Gnötzheim



Organisierte private Mitnahme


„Mobilfalt“ heißt ein Projekt des Nordhessischen Verkehrsverbundes, das auf eine Kombination von ÖPNV und privatem Verkehr setzt. Die Idee ist einfach: Wer mit dem Auto von A nach B fährt und noch Plätze frei hat, kann diese Fahrt bei Mobilfalt anmelden. Wer in etwa zur gleichen Zeit von A nach B reisen möchte, kann sich bei Mobilfalt melden und Mobilitätszentrale bringt beide zusammen. So können Lücken im Busfahrplan gefüllt werden und eine Mobilität im Stundentakt gewährleistet werden. Klingt gut, hat aber in der Praxis vor allem mit dem Problem zu kämpfen, dass die angemeldeten Fahrten der einen sich häufig nicht mit den Fahrwünschen der anderen Mobilfalt-Nutzer decken. Hier muss noch viel am Bekanntheitsgrad und der Akzeptanz des Projektes gearbeitet werden, so Mobilfalt-Referent Martin Weißhand. Auf organisierte private Mitnahme setzt auch der Verein „Bürger für Bürger“ der VG Daun. Im Rahmen der Nachbarschaftshilfe organisieren Gerd Becker und seine Mitstreiter unter anderem einen Fahrdienst für Senioren, die nicht alleine zum Einkauf, zum Arzt oder zur Behörde kommen können. Dieses Angebot funktioniert nur durch das starke ehrenamtliche Engagement der aktiven Vereinsmitglieder und mit großer zeitlicher Flexibilität.



Eine Idee aber unterschiedliche Konzepte zur organisierten privaten Mitnahme: Martin Weißhand von Mobilfalt (l.) und Gerd Becker vom Verein „Bürger für Bürger“ aus Daun.


Weiterführende Informationen:


Mobilfalt


Bürger für Bürger




Bürgerbusse

23 verschiedene Konzepte für Bürgerbusse gibt es in Rheinland-Pfalz. Das stellte Sven Lachmann in seiner Arbeitsgruppe zu dem Thema fest. Allen gemein ist der Grundgedanke, dass Ehrenamtliche mit Kleinbussen ihre Mitbürger von A nach B transportieren. Das Spektrum reicht von individuellen Routen und Zeiten, je nach Wunsch des Fahrgastes, bis hin zu festen Linien und festen Zeiten. „Jedes System hat seine Vor- und seine Nachteile. Die Frage ist immer, wer einerseits welchen Bedarf hat und andererseits wer was leisten kann“, so Lachmann. Zu kämpfen haben alle Konzepte mit den rechtlichen und versicherungstechnischen Hürden, mit der Akzeptanz und mit der Suche nach verlässlichen ehrenamtlichen Kräften.



Sven Lachmann vom IfR stellte die unterschiedlichen Betriebsformen für Bürgerbusse vor. 


Weitere Information zum Bürgerbus



Bürger bei Planung einbeziehen


In allen vier Arbeitsgruppen hatten Praktiker ihre Projekte vorgestellt. Sie konnten sehr genau sagen, was wie funktioniert und angenommen wird und worauf man achten muss. Das wurde von allen Teilnehmern als sehr positiv bewertet, weil die Referenten ihre Projekte nicht „schöngeredet“ haben, sondern auch Probleme und mögliche Fehlerquellen aufzeigten. Im abschließnenden Plenum stellten die Sprecher der Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vor. Alle kamen zu dem Fazit, dass ihr jeweiliges Mobilitätsangebot zwar viele gute Aspekte habe, aber nicht ausreichend sei, um allein alle Mobilitätsbedarfe in der Region abzudecken. „Es gibt nicht die eine Lösung. Wir müssen ein Konzept vom Bedarf her entwickeln und auf die örtlichen Gegebenheiten zuschneiden. Eine VG-weite Lösung wird kaum möglich sein“, fasste Bürgermeister Edmund Schaaf in seinem Schlusswort zusammen. „Wichtig ist, dass wir die Bürger bei den Planungen mitnehmen und so individuelle, lokale Projekte anschieben. Das wird der nächste Schritt sein.“


Abschließend bedankte er sich bei den Referenten für ihr Kommen, bei den Teilnehmern für die engagierte Mitarbeit und beim Organisationsteam für die gute Vorbereitung.



Allgemeine Information


Mobilitätskonferenz - fachliche Einführung


Regionalentwicklungskonzept